Sonntag, 17. Mai 2015

Fernweh in der Heimat...

Heimweh in der Ferne...

Wenn wir von Fernweh sprechen, denken wir oft zuerst an Reisen, das Entdecken beeindruckender Natur oder anderer uns unbekannten kulturellen Einflüssen. Wenn wir im Moment die aktuellen Medien betrachten, erleben wir ein ganz anderes ernsteres Phänomen von (unfreiwilliger) Sehnsucht nach Ferne.


Flüchtlingsströme in Südostasien
Diejenigen Menschen, die derzeit vor allen Dingen über die Regionen Südostasiens flüchten, sehen sich gezwungen ihre Heimat zu verlassen und das vielleicht für immer. Sie sehnen sich nach politischer Sicherheit, einer Arbeit, die finanziell einen Alltag über dem Existenzminimum sichert und nach einem allgemein angemessenerem Lebensstandard für sich und ihre Familie. Sie wünschen sich schwarz - weiß gesagt ein besseres Leben.

Hierbei handelt es sich aktuell unter anderem um eine in den Ländern Myanmar und Bangladesch verfolgte muslimische Minderheit, die „Rohingya“ sowie Flüchtlinge aus Burma, vor den dort anhaltenden inneren politischen Problemen. Die Länder Südostasiens wie Malaysia, Thailand und Indonesien verweigern jedoch, weitere Boote mit Flüchtlingen an Land zu lassen, wie es eigentlich ihre Pflicht wäre. Sie meinen ein Zeichen zu setzen , indem sie zwar für eine Versorgung von Lebensmitteln und Sprit sorgen, die Schiffe dann jedoch wieder aufs Meer zurückschicken. Diese Reaktionen wurden von der internationalen Gemeinschaft wie der UN, USA, EU oder Menschenrechtsorganisationen stark kritisiert. Die Problematik erhöht sich darin, dass in den benannten Krisenländern wie Myanmar und Bangladesch die Flüchtlinge durch Schlepper mit Versprechungen gelockt, die Boote überfrachtet und dann illegal transportiert werden. Die abgewiesenen Boote mit den Flüchtlingen treiben auf der Straße von Malakka und nahe gelegenen Gewässern mit einer schlechten humanitären Versorgung.
Die Reaktionen der drei Länder zeigen zum einen, dass die Krise ernst genommen werden muss. Die Zahlen der illegalen Flüchtlinge steigen konstant, was die Aufnahmeländer  mit einer entsprechenden Lebensmittel- und medizinischer Versorgung und Bereitstellung von Unterkünften für die Flüchtlinge auf die Dauer nicht stemmen können. Die Länder sind dazu angehalten, gemeinsam zu agieren und politische Lösungsansätze für die Krisensituation zu finden. Dazu haben Malaysia, Thailand und Indonesien bereits Stellung genommen, indem die Nachbarländer zur Unterstützung aufgerufen worden sind sowie Burma politisch aufgefordert wurde, auf die bestehenden inneren Konflikte zu reagieren und den politischen und sozialen Problemen entgegenzuwirken.
Aber auch die internationale  Gemeinschaft muss angehalten werden, entsprechend mit einer politischen Unterstützung der betroffenen Aufnahmeländer sowie mit der Kontrolle und Organisation eines verbesserten Versorgungssystems zu reagieren. Denn zum anderen sollte die Handlungsweise von Malaysia, Thailand und Indonesien kritisch betrachtet werden. In diesem Zusammenhang handeln sie gegen internationale Bestimmungen und missachten lebensnotwendige politische Anforderungen zum Schutz der Flüchtlinge, Menschen in Not.
Das ist offen gestanden alles leichter gesagt als getan. Es handelt sich hier um eine sensible Ausgangslage, in der durch die erhöhte Lebensgefahr der Flüchtlinge auf dem Meer einerseits so schnell wie möglich gehandelt werden sollte. Die administrativen Anforderungen der unmittelbaren Unterbringung, der Versorgung aber auch des langfristigen Umgangs mit den Flüchtlingen erfordern andererseits ein komplexer angelegtes funktionierendes Aufnahmesystem. Die Länder Malaysia, Thailand und Indonesien können diesen Anforderungen im Moment nicht gerecht werden, womit auch kurzfristig notwendige Entscheidungen schwerer effektiv und gezielt getroffen werden können. 
Folglich bestehen noch mehr Gründe für einen notwendigen Handlungsbedarf der internationalen Gemeinschaft. Wie sollten die Vereinten Nationen oder beispielsweise die USA und die EU als einflussreiche globale Akteure reagieren? Zumal es sich nur um einen von mehreren internationalen Konfliktherden  in der Flüchtlingsthematik handelt.  In weiteren aktuellen Brennpunkten gilt es wichtige Entscheidungen zu treffen und effektive Handlungsoptionen zu finden, wie am Mittelmeer, an den Küsten Italiens und Griechenlands. Denn der "Traum" vieler Flüchtlinge heißt Europa. Als unmittelbare Knotenpunkte sind Griechenland und Italien besonders den stetigen Flüchtlingsströmen ausgesetzt und überfordert. Das hängt auch mit der gesetzlichen Regelung durch die Dublin II - Konvention zusammen, die vorschreibt, dass sobald illegale Flüchtlinge eine Grenze Europas betreten, das entsprechende Land für das Asylverfahren zuständig ist. Die Freizügigkeit Europas führte in den 90er Jahren allgemein zu einer immer stärkeren Aufgabe der Grenzensicherung im Verhältnis zu Schutz und Aufnahme der Flüchtlinge.
In dieser Kritik steht auch die einschlägig gegründete Agentur der EU "Frontex", die die Außengrenzen schützen soll und damit auch illegale Migration an den Grenzen weitestgehend verhindern soll.
Deutschland mit einem als weltweit geltenden stabilen Wirtschafts- sowie sehr gut funktionierendem Sozialsystem bleibt dennoch eine beliebte Destination für Flüchtlinge, die trotz der Grenzregelung versuchen nach Deutschland einzureisen. 
Auch die Bundesrepublik sieht sich 2015 mit steigenden Flüchtlingszahlen sowie mit der Frage nach einem stärker geregelten Aufnahmeverfahren von Flüchtlingen und den längerfristigen Umgang mit ihrem komplexen, langwierigen Asylverfahren konfrontiert
Woher kommen die Flüchtlinge in Deutschland?
Nach Deutschland kamen 2014 die meisten Flüchtlinge aus den Regionen Syrien ( 42.000), Eritrea (34.000), Mali (9900),Nigeria (9000) Gambia (87000) sowie Somalia (5800). Hierbei handelt es sich um arme Länder, politisch schwache Staaten oder Bürgerkriegsregionen wie gerade Syrien, in denen die Menschen Angst vor existentieller Hoffnungslosigkeit und politischer Verfolgung haben. Hierbei sollten wir uns fragen, ob es nicht Gründe genug sind, die Flüchtlingsproblematik in ihrer Komplexität international endlich ernst zu nehmen, und Hilfemaßnahmen zu verstärken.
Die EU diskutierte beim EU-Gipfel am 23.April 2015 über einen Verteilungsschlüssel, der die Verteilung der Flüchtlinge auf die EU-Länder gemessen an Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft besser regeln soll. Es ist wichtig, uns der Problematik aktiv mit einer organisierten Struktur sowie Lösungsansätzen zu stellen. Doch ob diese Lösung nicht wieder nur vor allen Dingen den Wunsch einer verstärkten Sicherung der Grenzen widerspiegelt, ist meiner Ansicht nach fraglich. 
Diejenigen die flüchten haben zwar Fernweh nach einem besseren Leben, aber sie flüchten selten einfach, weil es die einfachere Lösung darstellt oder weil Länder wie Deutschland ihnen sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand bieten können. Sie fürchten in ihrer Heimat um ihr Leben und das ihrer Familie. Sie müssen ihr Land, ihre Kultur und Verwandtschaft oft für immer verlassen. 
Zwar können sie sich in Deutschland sicher und wohl fühlen, das Heimweh nach der eigenen Heimat, den kulturellen Bräuchen und nach Freunden und Familie bleibt aber bestimmt. So schön und erholsam der Urlaub auch war, am Ende freuen wir uns immer wieder auf unser zu Hause. Was wenn wir dahin nicht zurückkehren können in die Heimat und zu unserer vertrauten Umgebung, für immer? Genau diese Vorstellung zeigt mir, dass die Gründe für eine Flucht so stark und ernsthaft sind, das Fernwehgefühl dauerhaft mit dem Heimwehgefühl einzutauschen.  Wir sollten bereit sein aktiv zu helfen in akuten Notstandsituationen. Wir sollten aber auch langfristig an einem europäischen Einwanderungssystem arbeiten, das allerdings nicht nur die Grenzsicherung Europas vor Augen hat, sondern eine wirkungsvolle Flüchtlings- und Asylpolitik.

Verwendete Literatur und weiterführende Links:
Abbildungen: 

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