Donnerstag, 5. November 2015

Jagd auf Traumpartnerschnäppchen

Shopping- versus Partnersuchverhalten
Mid Season Sale bei der Traumpartnersuche
 
Wer kennt es nicht, die verzweifelte Suche nach dem Lieblingspulli oder der perfekt sitzenden Jeans?  Gerade jetzt, wenn die Tage kürzer und kühler werden und wir bereits erste Gedanken an Weihnachten „verschwenden“, verbringen wir stundenlang in Shoppingmeilen und hoppen von einem Laden zum anderen.

Kein Pullover scheint so recht unseren Vorstellungen zu entsprechen. Entweder sitzt er nicht so, wie man dachte, zwickt, hat nicht die richtige Farbe oder ist einfach viel zu teuer. Gerade, wenn man gezielt sucht und ein Kleidungsstück eigentlich dringend benötigt, ist es am schwierigsten. Wahrscheinlich hat man am Ende des Tages dann gar nichts gefunden oder geht unzufrieden mit einem Mitleidskauf nach Hause. Anstatt der Jeans ist es dann doch das überteuerte Paar Schuh oder das zigste T-Shirt in der Lieblingsfarbe geworden. Doch was sagt unser Shoppingverhalten über unsere Persönlichkeit aus? Können wir es auf andere Lebensbereiche projizieren? Verrät die Art und Weise, wie wir shoppen gehen, etwas über unser Verhalten in Liebesdingen und bei der Partnerwahl aus?



Welcher Shopping-Typ bist du?
Jeder kann sich überlegen, wie er sich persönlich verhält, wenn er ein Kleidungsstück kauft, eins, dass er sogar beabsichtigt häufiger bis täglich zu tragen oder so lang wie möglich zu behalten. Denn damit möchten wir möglichst lang zufrieden sein, es gern anziehen wollen und uns darin wohlfühlen. Gleiches gilt für den Partner. Daher können sich meiner Meinung nach gewisse Verhaltensweisen übertragen lassen.

So gehen zum Beispiel einige in den ersten Laden. Sie sehen eventuell sogar einen Pulli, der auf Anhieb gefällt und perfekt an ihnen und zu ihnen zu passen scheint. Trotzdem lassen sie ihn zurücklegen, da sie ja gerade erst angefangen haben mit ihrem Stadtbummel, sodass der nächste Laden vielleicht noch einen schöneren, günstigeren oder passenderen bereit halten könnte. Alle Eventualitäten und Möglichkeiten werden ausgelotet und abgewägt, vielleicht sogar eine Liste im Kopf abgehakt. Sollte ein Kriterium wie Preis,  Brauchbarkeit oder zum eigenen Stil passend nicht erfüllt sein, wird das Kleidungsstück erst einmal nicht gekauft. Sie halten sich aber offen, dass am Schluss der Shoppingtour das Fundstück letztendlich doch noch das Beste sein könnte, was man gesichtigt hat.
 
Andere gehen wiederum in den ersten Laden, sehen DEN Pulli, verlieben sich und kaufen ihn, egal wie teuer, praktisch oder notwendig. Sollten sie nichts Passendes dazu in ihrem Kleiderschrank haben, kaufen sie einfach noch die Hose und Schuhe dazu. Für sie ist es der perfekte Pulli, obwohl er eigentlich die eigene Kreditkarte ausreizt oder das mit der späteren Verwendung so eine Sache ist.

Diese Personen hören in dem Moment auf ihren Bauch und handeln selbstbewusst und bestimmt. Dies kann auch bei der Jagd nach dem Traumpartner der Fall sein. Sie wollen DEN einen Partner, den sie sich für sich auserwählt haben, weil es Liebe auf den ersten Blick war, unabhängig davon, wie lang und aufwendig sie um ihn kämpfen müssen. Ihr Problem kann allerdings der Scheuklappenblick sein. Sie bemerken erst in der Beziehung  dass der Partner nur wenige Gemeinsamkeiten mit einem selbst besitzt oder ganz andere Vorstellungen vom Leben zu haben scheint. Das eigene gewünschte Lebenskonzept wird unterbewusst eventuell eher zurück gestellt. Doch diejenigen, die eher mit dem Kopf entscheiden und handeln, die nicht nur einen Pulli suchen, sondern einen der praktisch und günstig ist und außerdem zu anderen Sachen aus dem eigenen Kleiderschrank passt, laufen wahrscheinlich Gefahr zu rational  bei der Suche nach ihrem Mann oder Frau vorzugehen. Auch dort klappern sie ihre Liste ab: hat er/ sie ähnliche Hobbys, Vorlieben oder den gleichen Humor wie ich? Passt er zu meinen Plänen und Zielen im Beruf, Familiengründung und Zukunft? Ist er intelligent und gut aussehend? Übersetzt: Manchmal verpassen wir so vielleicht den eigentlich Richtigen, weil wir zu viel nachdenken. Womöglich sollten wir doch manchmal den „erst besten“ nehmen, weil er/sie eigentlich perfekt zu uns passt, „anschmiegsam“ ist oder viele Qualitäten hat, wie der Pulli aus dem ersten Laden bei der Shoppingtour. Umgekehrt, wenn wir unseren Partner auf emotionalerer Ebene auswählen, genauso wie wir manchmal den Pulli sofort im ersten Laden kaufen, egal wie teuer oder unbequem, verpassen wir wiederum womöglich „sparsamere bequeme“ Alternativen.
Eine Welt voller Optionen?
In unserer modernen Konsumgesellschaft haben wir unendliche Auswahl an Schuhen, Taschen, T-Shirts, Pullis oder Hosen und so geht es uns heute oft auch in der Liebe. Wir ertrinken in Möglichkeiten und Alternativen. Wir sind eine Wegwerfgesellschaft, in der die Kleidung obsolet wird. Sachen sind oft nur für eine Saison ausgelegt, damit wir schnellstmöglich wieder die Läden stürmen, um neue Kleidungsstücke zu kaufen. Wir kommen also wieder zu dem Dilemma, ob auch Liebe ein Wegwerfprodukt geworden ist. Artikel: Liebe, das neue Wegwerprodukt 2.0 
Gerade Kontaktseiten im Internet und Dating-Apps geben uns das Gefühl, eine unendliche Auswahl zu haben, Alternativen und die Chance doch den perfekten Partner zu finden, wenn wir nur fleißig weiter suchen. Viele halten sich deshalb jede Möglichkeit offen. Sie legen sich ungern fest. Zurückgelegt wird ein liebenswerter, potenziell perfekt zu einem passender Mensch. Im Zweifelsfall kann so sogar  auf diesen später zurück gegriffen werden. Nach einigen Dates wird damit kein konkreter Schlussstrich gezogen. „ Lass uns Freunde bleiben“ ist eine nette Alternativoption mit der man den anderen nicht zu sehr zu verletzen scheint, genauso wie das „Sich-nicht-mehr-melden-Phänomen“. Man beendet nichts, hält es aber auch nicht mehr auf dem Laufenden. Man hält sich die Option offen, im Notfall diese Person nachts um 4 anrufen zu können, wenn man sich zu einsam fühlt. 
Gern wird kritisiert, dass wir heutzutage allgemein weniger in Beziehungen investieren. Wenn es kompliziert wird, rennen viele gern weg oder lassen sich gar nicht erst darauf ein. Wir kaufen vergleichsweise einfach einen neuen Pulli, Jeans oder Schuhe, anstatt kleine Schwachstellen auszubessern oder zu flicken.
Umgekehrt stehen uns heutzutage alle Türen offen. Wir müssen nicht immer zu Nadel und Faden greifen. Wir müssen nicht warten, bis der Pulli oder die Hose förmlich auseinanderfallen und nicht mehr schön sind. Wir können uns einen anderen Pulli kaufen, der die Chance hat unser neues Lieblingsstück zu werden.
Ja, Nein, Zurücklegen?
So wachsen wir genauso aus manchen zwischenmenschlichen Beziehungen heraus. Zwei Menschen, deren Beziehung nicht mehr zu funktionieren scheint oder merken, dass sie zu unterschiedliche Dinge vom Leben wollen, sind nicht mehr gezwungen zusammen zu bleiben. Wir können uns für unser Lebenskonzept entscheiden. Wir können erneut nach einem „Partner-Lieblingsstück“ suchen, der besser zu uns und unseren Vorstellungen vom Leben passen könnte.
Also auf ins Getümmel beim nächsten Stadtbummel auf die Suche nach dem Traumpartner. Dies sollte jedoch mit Vorsicht geschehen, denn bei den ganzen scheinbar schönen Schnäppchen, übersehen wir schnell besondere Stücke: Also Augen auf beim „Shopping-Traumpartner-Marathon“!

Verwendete Quellen: 
Fotografie "Mid-Season-Sale" - Allee Center Magdeburg, Tally Weijl (05.11.2015) 
Diesmal habt ihr es allein mit meinen Gedanken und schrägen Theorien zu tun.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen