Sonntag, 10. Juli 2016

Stockholm.

Einfach Stockholm, Punkt.


Stockholm.Punkt.

Für diesen Reisebericht aus Stockholm fand ich keinen Titel, der meine Reiseeindrücke prägnanter und annähernd besser in Worte fassen könnte als schlicht "Stockholm", denn minimalistisch und schlicht wie der skandinavische Wohnstil, so kann man auch Stockholm beschreiben. Damit meine ich 'schlicht' ausschließlich positiv im Sinne von schlichter Eleganz, die keinen Prunk oder Schnick-Schnack braucht. Die Stadt selbst ist eine Sehenswürdigkeit für sich und das schon allein aufgrund ihrer natürlichen Schönheit mit so viel Individualität und Facettenreichtum. Stockholm ist umgeben von Wasser und verteilt sich auf mehrere Inseln.

Gern wird die Stadt deshalb auch als das Venedig des Nordens bezeichnet. Allerdings trifft es das für mich weniger auf den Punkt. Wenn man einen Vergleich wagen sollte, dann ist das meiner Meinung nach eher mit Hamburg möglich, denn die beiden Städte ähneln sich im nordischen Schlag der Menschen, in ihrer schlichten Natürlichkeit und in ihrer Atmosphäre, die sich durch die milde Meerbrise ergibt. Mit meinem Reisebericht möchte ich euch davon überzeugen, dass Stockholm eine einzigartige Reise wert ist, aufgrund seines individuellen Charmes, ohne es mit anderen Städten vergleichen zu müssen.

Hej hej - so unkonventionell begrüßt man sich in Schweden. Es klingt so leicht. 
Midsomar-Buddies!
Eine Leichtigkeit, die auch in der Stockholmer Luft liegt - unmittelbar am Meer. Überall fliegen Möwen umher, die für mich auch diese Leichtigkeit der Stadt widerspiegeln. Die Stockholmer haben sich schon an die Möwen gewöhnt und verbinden sie wahrscheinlich wohl mehr mit nerviger Dauerpräsenz. 

Doch es ist Midsommar. Da scheinen die Stockholmer sowieso alles locker und leicht zu nehmen. 

Midsommar - von Köttbullar, Blumenkränzen und quakenden Fröschen

Für mich war diese Reise eine kleine Auszeit und die Möglichkeit, eine gute Freundin wiederzusehen und sie endlich einmal in ihrer Wahlheimat zu besuchen. 
Ich hatte das Glück, Schweden direkt an Mittsommer zu bereisen. Für die Schweden ist es ein Fest mit den Freunden oder der Familie. Selbst wenn der 21. Juni als der offizielle Sommeranfang gilt und der längste Tag im Jahr ist, so feiert man das eigentliche Fest zur Sommersonnenwende an dem Wochenende danach. Den 'Mittsommerabend' am Freitag kann man im Stellenwert in etwa mit Heiligabend vergleichen. Es ist zwar kein offizieller gesetzlicher Feiertag in Schweden, aber trotzdem nehmen sich die meisten frei und feiern ihr berühmtes und für sie bedeutendes Sommerfest.  Entgegen meiner naiven Hoffnung, Stockholm als eine einzige Party zu erleben, ist es üblich, dass die Schweden mit den Liebsten aufs Land fahren und dort gemeinsam feiern.

Wir haben dennoch ein kleines typisches Mittsommer für uns zelebriert. Nachmittags waren wir auf einem großen öffentlichen Fest in einem niedlichen Freilichtmuseum. Da wir den hohen Andrang unterschätzt hatten, mussten wir anstehen und haben leider so den Aufbau samt Schmücken der Mittsommerstange knapp verpasst.  Wie die Schweden mit Blumenkränzen im Haar um die Stange tanzen und witzige Lieder singen, war ein einzigartiger Moment, den ich ein Glück miterleben konnte. Beim beliebten Lied, "Små grodorna", übersetzt 'die kleinen Frösche', hört man sie sogar Quakgeräusche singen und sieht sie passende Bewegungen dazu nachahmen. Das war einfach unbezahlbar.
Abends haben wir in kleiner Runde zu Hause ein gemeinsames traditionelles Mittsommeressen gezaubert, wobei ich euch ein paar Rezeptideen nicht vorenthalten möchte.
Schweden mit Blumenkränzen
tanzend um die Mittsommerstange
- ein einzigartiges Erlebnis

Erst gegen halb zwölf geht die Sonne in Schweden im Juni langsam unter. Gegen drei geht sie bereits wieder auf. Das Gerücht, dass es in Stockholm nicht dunkel wird, stimmt zwar nicht so ganz, dennoch hat man kaum den Eindruck, dass es Nacht wird. Die Tage scheinen fließend ineinander überzugehen. Ich mag den Gedanken, dass man mit Mittsommer so den Sommer gebührend zelebriert. Ursprünglich diente wohl auch Mittsommer dazu, um mit den Göttern anzustoßen. Heute stößt man eher mit Freunden an. Jedoch können diese ja auch ein Geschenk Gottes sein und so scheint es doch eine wunderbare Gelegenheit, einmal wieder mit ihnen ausgelassen zu feiern und über Gott und die Welt zu reden.

Die selbst gebastelten Blumenkränze, traditionell mit Blumen in den Farben blau, rot und weiß an Birkenzweige gesteckt, sollen sich nach einer alten Tradition die Mädchen am Mittsommerabend unter das Bettkissen legen und dann von ihrem 'Zukünftigen' träumen. Zwar wird die Tradition nicht mehr ganz so ernst genommen, aber als nettes Accessoire sind die Blumenkränze geblieben - Wichtig ist, dass es selbstgemachte Kränze mit echten Blumen sind und keine Stoffbänder. Ich habe mein Blumenstoffband also wieder vom Kopf genommen, um mich nicht als Touristin outen zu müssen....

Es ist allgemein die benannte Leichtigkeit des Sommers, die Stockholm zu dieser Zeit umgibt. Es ist nicht zu heiß und eine angenehme Wärme liegt in der Luft - nicht zu viel und nicht zu wenig Sommer, sondern 'lagom'.

Nicht zu viel und nicht zu wenig, sondern 'lagom'
Es ist ein spezielles schwedisches Wort, für das es keine direkte deutsche Übersetzung gibt. Es erinnert mich deshalb an das deutsche 'gemütlich', ein Wort, dessen Übersetzung in andere Sprachen auch kaum möglich ist. 
'Lagom' soll für manche Schweden sogar eine Art (Lebens-) Philosophie sein, die so etwas bedeutet wie: Einem gesunden Mittelmaß folgen, den 'gerade richtig'- Moment abpassen. Extreme werden vermieden: "Nicht zu viel und nicht zu wenig" bestimmt den goldenen Schnitt des eigenen Handelns und Entscheidens.
Ein traditionelles Mittsommerfestessen
Beim Mittsommer- Festessen hätte ich nicht aufhören können zu naschen von all den Leckereien wie Köttbullar, Lachsrollen in Tunbröd (dünnes Fladenbrot) oder Erdbeeren mit Sahne. Da ist es bewundernswert, wenn die Schweden wissen, wann sie aufhören müssen. 

Diese Einstellung kann entspannen, weil man extremen Stress vermeidet und wahrscheinlich auch Konflikten in der persönlichen Kommunikation mehr aus dem Weg geht. Dennoch stellt sich hier für mich die Frage, ob gelebtes Mittelmaß immer erstrebenswert sein kann? Grenzen austesten ist wichtig, um sich selbst und seine Stärken und Fähigkeiten kennen zu lernen. Ehrgeiz kann zwar bedeuten, auch mal übers Ziel hinauszuschießen, doch gleichzeitig dabei zu lernen. Genau richtig muss für mich nicht immer die Mitte bedeuten, sondern eben auch mal 150 % zu geben oder im entscheidenden Moment zurückhaltend zu sein. Gesteckte Ziele brauchen Engagement, aber auch behutsames Fingerspitzengefühl. Konflikte beleben die gemeinsame Kommunikation. 

Als 'lagom' empfand ich jedoch auch das Stadtbild  Stockholms und das durch und durch im positiven Sinn, in dem es sich wie ein vollkommenes Ganzes zusammenfügt. Stockholm besteht aus vielen kleinen Inseln, das Meer verbindet die Stadtteile.
Stockholm ist eine Stadt aus modernen und alten, historisch niedlichen Bauten. Alles wirkt stimmig und weniger zusammengewürfelt.

Bargeldlos durch Schweden 
Die Moderne in Schweden wird auch in dem Umstand deutlich, wie alltäglich Einkäufe mit der Kreditkarte dort geworden sind. In Deutschland frage ich mich des Öfteren, warum sich immer noch gern gesträubt wird, Kartenzahlung anzubieten. Dabei meine ich nicht den kleinen Second-Hand-Laden nebenan, sondern größere Bars und Restaurants sowie Supermärkte, die erst ab einem bestimmten Betrag Karten als Zahlungsart annehmen. In Schweden wird einem das Kartenlesegerät sogar nahezu aufgedrängt, indem es wie selbstverständlich überall und schon zum Kunden gerichtet an der Kasse steht. Falls der Schwede doch einmal in die Verlegenheit kommen sollte, wie wir beim Mittsommerfest bei kleinen Essens- und Dekoständen, doch nur in bar zahlen zu können, braucht er sich nicht zu sorgen. Nicht wie in Deutschland müsste er wieder gehen oder sich erst einmal überlegen, wo der nächste Bankautomat zu finden ist, zu dem er im Zweifel erst einmal 5km laufen müsste. Nein! Das Problem wird in Schweden durch die Dienstleistung mobiler Geldautomaten gelöst, grandios! 
Die Touris habe ich am Bargeld erkannt.
Diese leckere schwedische Zimtschnecke konnte ich 
selbstverständlich mit Karte bezahlen. 
Die Digitalisierung ist im Alltag fest integriert. Das äußert sich nicht nur im Handel, sondern im ganzen gesellschaftlichen Miteinander wie unter anderem auch bei Terminvergaben von Behörden und Ärzten oder allgemein bei den Abläufen der Verwaltung. Wahrscheinlich ist auch der Dienstleistungsgedanke in Schweden schon stärker verankert, wozu heutzutage nun einmal auch die Digitalisierung gehört. In Deutschland hat das Umdenken erst in Ansätzen stattgefunden, oft scheint digital auch eher noch ein Fremdwort zu sein. Ich erwähne in diesem Kontext gern noch einmal das unverständliche Wirrwarr Berliner Bürgerbüros. Warum gelingt es dieser modernen Metropole nicht, durch Online-An- und Ummeldung von Wohnsitzen die langen Wartezeiten zu umgehen? Die Angst vor Veränderungen und sich von alten Mustern zu lösen, von unserer so beliebten deutschen Bürokratie, scheint sich noch beständig zu halten. Da finde ich, bilden die Schweden ein Vorbild. Virtuelles Bezahlen und die Digitalisierung in allen gesellschaftlichen Bereichen sollten auch noch stärker in Deutschland Einzug halten
Trotzdem muss ich zugeben, das ich es auch schätze, dass wir in Deutschland noch Barzahlung und Kleingeld-Klimpern im Portemonnaie kennen. So unkompliziert es auch gewesen ist, nicht immer nach Geldautomaten suchen zu müssen, mag ich es persönlich auch zu wissen, wie viel Geld ich noch im Portemonnaie oder bereits ausgegeben habe. Man kann sonst schnell den Überblick verlieren. 

Hier noch ein paar Reisetipps

Ausblick von einer Klippe:
Abendsonne im
Juni in Schweden
Für jeden, der die schöne Stadt im Norden gern einmal bereisen möchte oder durch meinen Bericht Lust bekommt, den nächsten Urlaub spontan nach Schweden zu buchen, dem möchte ich ein paar Empfehlungen von mir ans Herz legen. Was lohnt es sich anzuschauen oder zu unternehmen?
Worauf könnte man eher verzichten? Wofür lohnt es sich Geld auszugeben und wofür könnte man die Kreditkarte ruhig eher im Portemonnaie lassen (Bargeld steht ja quasi nicht zu Diskussion ;-) )...?

Mein erster Tipp ist etwas, das man mit Geld nicht kaufen kann und zwar die Natur und die Stimmung dazu, die man auf keiner Fotografie festhalten oder in Worte pressen kann. Diese Eindrücke bleiben einzig ein Teil eigener Reiseerinnerungen. So haben wir mehrere Klippen bestiegen, einen Blick auf die ganze Stadt gehabt und konnten Sonnenuntergänge ganz nah erleben. Die Fähre in Stockholm ist bei den öffentlichen Verkehrsmitteln mit inbegriffen, sodass man hier auch nicht extra zahlen muss. Diese könnt und solltet ihr bei einem kleinen Ausflug nach Stockholm einfach mal nutzen, um so zu den kleinen Inseln über das Meer zu gelangen.
Das Gefühl von Leichtigkeit - auf der Insel Grinda

Doch wenn etwas mehr Zeit bleibt wie bei mir, dann solltet ihr mal etwas weiter auf eine der vielen kleinen, so genannten "Schäreninseln" fahren, wobei eine Fahrt um die 90 Kronen (10 €) kostet. Denn das ist es das Geld wert. Ich hatte ja das Glück einer persönlichen Reiseführerin, die bereits viele Jahre in Schweden wohnt, die Eigenheiten der Schweden aber vor allen Dingen auch die Geheimtipps und besonderen Ecken kennt. Sie hatte die wunderbare Idee, auf eine der Inseln, auf Grinda, zu campen. Nach einem typisch verregneten Mittsommerrabend am Freitag war es am Samstag wunderbar warm, sodass wir auch im Meer baden und die Insel erkunden konnten ( typisch soll sein, dass es immer an Mittsommer regnet oder graues Wetter ist, wie ich mir habe sagen lassen). Die Meerestemperatur hingegen war zwar etwas unter 'lagom', aber bei den heißen Temperaturen mehr als erfrischend. Ein kleines Abenteuer war noch, dass es Sonntag in Strömen regnete, es kaum Unterstellmöglichkeiten auf der Insel gab, aber unser Zelt kaputt gehen musste und es hineinregnete. Solche Abenteuer schreiben wohl die Geschichten, von denen wir später noch erzählen. 

Kulturprogramm muss auch mal sein
Ich habe mich zum einen für das traditionelle und gern von den Schweden empfohlene Vasa-Museum entschieden, in dem das einzige erhaltene historische Kriegsschiff steht. Das große Schiff ist beeindruckend. Mit Tafeln, Utensilien und Bildmaterial wird anschaulich erklärt, wie durch Aufbewahrung und Skizzierung die sich an Bord befundenen Personen und Gegenstände erforscht werden konnten. Auch wenn die Schweden stolz darauf sind, muss ich zugeben, für knapp 130 Kronen (14,50 €) kann man sich das ruhig überlegen. Meiner Meinung nach ist es imposant anzuschauen, aber trotzdem nicht unbedingt nötig. Es gibt einige Museen in Stockholm, viele davon auf der Insel Djårgarden (Tiergarten). Durch die Djårgarden-Parkpromenade miteinander verbunden, kann man bei einem schönen Spaziergang als Museumsliebhaber auf seine Kosten kommen- vom Nordiska über die schwedische Geschichte und Traditionen, Historiska über die Geschichte der Wikinger, welches sogar kostenlos sein soll, dem Abba-Museum bis hin zum Junibacken, einem Museum für Kinder über die Helden der schwedischen Kinderliteratur.
Meine persönliche Empfehlung ist für mich noch das Fotografiska, welches wir am letzten
Mein Favorit: Nick Brandt
Tag besucht haben. Das liegt zwar nicht auf der Museumsinsel, ist jedoch auch zentral gelegen und einen Besuch wert. Einige bekannte Fotografen haben hier bereits ausgestellt, sodass es weltweit eine renommierte Adresse für Fotografieliebhaber ist. Zudem sind die Ausstellungen abwechlungsreich und haben jede für sich eine besondere Aussagekraft, was man in sonstigen Museen 'moderner Kunst' so gern manchmal vermisst. So gab es auch aktuell eine große Bandbreite an Themen und Fotografen. Ausgestellt waren unter anderem Fotografien von Musiker Bryan Adams über Prominente wie einem persönlichen Portrait von Amy Winehouse, aber auch seine Fotoreihe über amerikanische Soldaten im Ausland, die beeindruckend war. Zudem wurde ein bewegendes Fotoprojekt über Sinti und Roma in Ländern wie Schweden, Tschechien oder Frankreich dargestellt. Mein persönlicher Favorit war allerdings die Fotoreihe von Nick Brandt. Bemerkenswert an dessen Bildern ist es, wie gekonnt er durch das Instrument ' des Bildes im Bild' die ursprünglichen Lebenswelten von Tieren in einen provokanten Vergleich mit den heutzutage von Menschen zerstörten gleichen Lebensräumen setzt.  Als kleines 'Urlaubssouvenir' habe ich mir auch ein Poster mit einer seiner Fotografien gegönnt, allerdings aus einer seiner älteren Fotoreihen.


Gröna Lund mit Blick auf die Stadt
Für denjenigen, der eine Abwechslung von all dem Kulturprogramm haben möchte oder allgemein weniger an Museen interessiert ist, dem kann ich folgendes empfehlen: Befindet ihr euch zufällig noch auf Djågarden, so könnt ihr einen Abstecher in den Freizeitpark Gröna Lund machen, von dessen Attraktionen aus ihr eine sehr schöne Sicht auf Stockholm habt. Wenn ihr Glück habt, findet abends noch ein Konzert statt, da öfter bekannte nationale und internationale Bands scheinbar gern die besondere Atmosphäre nutzen.

Das Wohnzimmer der Stadt
SoFo-
für mich das Wohnzimmer von Stockholm
Diejenigen, die kleine individuelle Läden und Cafés wie ich mögen, die sollten unbedingt einen Abstecher in das von den Stockholmern seit ein paar Jahren deklarierte Szeneviertel 'SoFo' (South of Folkungagatan) machen, welches sich im Stadtteil Södermalm befindet. Angelehnt war die Abkürzung ursprünglich wohl an 'SoHo' in New York, um für Moderne und Trends zu stehen und neuer geheimer Anziehungspunkt zu werden. So geheim ist das Viertel zwar nun nicht mehr, sondern tatsächlich attraktiv für Künstler, Freischaffende und junge Selbständige geworden. Persönlich denke ich beim Wort "SoFo" weniger an SoHo als vielmehr an den Begriff Sofa. Das spiegelt auch eher die Atmosphäre wider: gemütlich, entspannt und wie ein großes alternatives Wohnzimmer. Die Läden und Cafés wirken wie viele verschiedene zusammengewürfelte Möbel, die zusammen erst den Charme ausmachen. Denn das Viertel steht für alternativen und lockeren Flair im Gegensatz zu den edlen, wohlhabenden Vierteln. Doch fügt sich das 'Wohnzimmer' eben gekonnt in das Gesamtbild ein. Es passt genauso zu Stockholm wie Gröna Lund, die Museen oder seine historische Altstadt - 'Gamla Stan' - mit alten niedlichen Häusern und engen Gassen, in denen man sich ruhig eine kleine Pause bei einer leckeren schwedischen Zimtschnecke gönnen kann. In diesem Viertel befindet sich auch das Regierungsschloss der Königsfamilie. Das ist aber eher ausschließlich ein typischer Touristenmagnet und muss
meiner Ansicht nach nicht zwangsläufig auf die Reise-To-Do-Liste nach Stockholm.

Nun möchte ich noch auf das berühmt berüchtigste Gerücht eingehen:

Zum Schluss noch ein Klischee bedienen...
Stimmt es oder stimmt es nicht? Wer an Schweden denkt, bei dem kommt häufig gleichzeitig die Assoziation von vielen blonden Frauen und Männern auf einem Fleck. "Da fällst du in Schweden wahrscheinlich gar nicht auf mit deinen blonden Haaren", hieß es auch bei mir ab und zu, wenn ich über meine spontanen Urlaubspläne erzählt habe. Es stimmt schon, dass es in Schweden und sicher allgemein im Norden mehr blonde helle Typen gibt insbesondere im Vergleich zum Süden Europas als logische Konsequenz des Klimas. Insofern stimmt es auch, dass mich in Stockholm nicht gleich jeder überrascht angeschaut hat, als hätte er noch nie eine Blonde gesehen. Ich falle weniger auf als in Spanien oder Italien. Dennoch habe ich wohl häufiger das Klischee bedient als so mancher Schwede selbst. Genauso vielfältig und facettenreich wie das Stadtbild Stockholms ist nämlich auch das Menschenbild.

Ich für mich habe mit dem Norden Europas noch nicht abgeschlossen. Es gibt noch so vieles, das ich sehen und bereisen möchte. Schweden ist ein faszinierendes Land, nicht nur wegen seiner Natur, sondern auch durch seine Menschen mit ihrem irgendwie entspannten nordischen Gemüt und mit einer der niedlichsten Sprachen der Welt. Persönlich hatte ich einen wundervollen Abschluss bei einem Freilufttheater im Park mit einer modernen Inszenierung der Zauberflöte auf Schwedisch. Ich habe leider kaum bis gar nichts verstanden. Doch Musik spricht dieselbe Sprache und sich die Zauberflöte auf Schwedisch anzuhören, war einfach mal ein Erlebnis. Alles klingt auch da so leicht und dennoch klar, indem jede Silbe wohlbedacht betont wird. Ich wusste, warum ich schon lange einmal nach Schweden wollte.
Leicht, wohlbedacht und mit schlichter Eleganz - das ist mein Fazit für Stockholm. 
Auf jeden Fall empfehle ich es als nette Alternative zu Venedig, für jeden der es nicht so überlaufen von Touristen oder etwas nordischer, bodenständig und locker mag - nicht zu viel und nicht zu wenig von allem, sondern 'lagom'.

An diejenigen unter euch, die schon einmal in Schweden und Stockholm waren: Was hat euch besonders gefallen und fasziniert? Ich freue mich über eure Eindrücke und weitere Ideen und Geheimtipps!

In diesem Sinne: Hejdå (Tschüss)!
Mit einer besonderen Widmung und Dank an meine liebe Freundin und wunderbare Reisebegleitung zu dieser Zeit - an Claudi!

Quellen und Literaturtipps:
Blog Dreieckchen: 3 Tage in Stockholm
Blog Fräulein Anker: 7 Tipps für das Szeneviertel Södermalm
Ze.tt: Wie ich mich in Schweden an ein Leben ohne Bargeld gewöhnt habe
Ze.tt: Sieben Dinge, die wir uns von den Schweden für ein schöneres Leben abgucken können
Små grodorna - Text auf Schwedisch und Deutsch
Über die Schäreninseln bei Stockholm
Bryan Adams Fotografien

Kommentare:

  1. Liebe Luise, Dein Bericht hat mich noch weiter angeheizt, Stockholm besuchen zu müssen... vielleicht bei meinem nächsten Mädelswochenende? Wieviel Zeit muss man denn mitbringen dass es sich lohnt? Über Deinen Spruch mit den Touristen und dass Du dann Dein künstliches Blumenhaarband gleich abgenommen hast musste ich sehr lachen, konnte ich mir bildlich vorstellen :) Ich mag Deinen lockeren Schreibstil sehr und wie Du das Hintergrundwissen miteinfließen läßt. Eine Frage kam noch auf nämlich die der Sprache. Wie reagieren die Stockholmer auf Deutsch oder Englisch? Möchten sie dass man es auf schwedisch versucht? Es gibt ja leider ein paar Länder, da verdrehen die Einheimischen schon die Augen, wenn sie meinen von Weitem erkennen zu können, dass man eine Deutsche ist... Mach weiter so! Lass Dir liebe Grüße da, Mia.

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    1. Liebe Mia,
      danke für deinen so schönen Kommentar! 3 bis 4 Tage für Stockholm sind sicher voll ok. Die Stadt ist nicht so riesig und vieles ist leicht zu Fuß zu begehen. Wenn du gern auch die Inseln drumherum kennen lernen möchtest und Entspannungsurlaub dabei haben willst, ist eine Woche sicher zu empfehlen. Ich habe mich in den 8 Tagen zumindest keine Minute gelangweilt!
      Englisch ist für die Schweden alltäglich. Serien und Filme werden eher nicht synchronisiert, sondern nur mit Untertiteln gezeigt und die Schweden sind insgesamt in der Wirtschaft international orientiert. Ich kann dir das land wie gesagt nur empfehlen! Liebe Grüße Luise

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  2. "Die Digitalisierung ist im Alltag fest integriert. Das äußert sich nicht nur im Handel, sondern im ganzen gesellschaftlichen Miteinander (...)"

    Einfach nur gruselig.
    Noch gruseliger ist nur die völlig gedankenlose Begeisterung dafür. Sorry.

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    1. Hey Harri, das ist kein Problem. Das ist deine Meinung. So unkompliziert und praktisch ich Digitalisierung finde, so sollte man es doch hinterfragen. Mein aktuellster Artikel handelt von Apps. Vielleicht ist das auch spannend für dich. Danke für deine Meinung! Liebe Grüße

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